Centre Culture Régional
Dudelange opderschmelz

1a rue du centenaire
L-3475 Dudelange

20.04.2011

20h00
opderschmelz


LLOYD COLE (D) Ungefähr ein Jahr ist es her, dass ich – nach fast einem Jahrzehnt im selbst auferlegten Exil als „would-be folksinger“ – eine unerwartete Sehnsucht verspürte. Es schien fast, als ob ich Einiges an meinem früheren Rock’n’Roll-Leben sehr stark vermisste. Bestimmt nicht die Tourbusse und Produktmanager, aber auf jeden Fall das Zusammenwirken mit Musikern, die Kameradschaft und die Freude daran, dass sich andere in die eigene Musik einbringen, sie mit Ideen und mit ihrer eigenen Handschrift bereichern. Ich wollte eigentlich nie Platten alleine machen, aber irgendwie verbrachte ich dann doch den Großteil der 2000er alleine im Studio mit einem Haufen Equipment und einem Computer – oder auf Tour, mit einem Koffer und zwei Gitarren bewaffnet. Zwei Dinge gaben den Ausschlag, mich zumindest zeitweilig wieder ins Getümmel zu stürzen: zum einen hatte ich einige Songs geschrieben, die nach einem Beat verlangten, zum anderen machte mir die Arbeit mit meinem neuen Akustik-Trio „The Small Ensemble“ Riesenspaß. Warum also keine „Rockplatte“ machen oder was auch immer dabei rauskommt, wenn ein 49-jähriger versucht, zu rocken. Ein Problem: Das liebe Geld – ich konnte mir einfach nicht leisten, 65.000 Dollar auszugeben und ein ganzes Jahr nicht zu touren, wollte aber auch keinen Majorlabel-Deal, weil ich keine Lust mehr habe, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die ich nicht mag. Glücklicherweise hatte ich über die letzten Jahre an einigen Projekten mit Tapete Records aus Hamburg zusammengearbeitet, die ich sehr schätze. Wir haben ein sehr gutes, vetrauensvolles Verhältnis. Auch meine Freunde von XIII Bis in Frankreich hatten Interesse. Tapete erklärte sich bereit, einen Teil des Budgets vorzuschießen. Für den restlichen Betrag folgte ich dem Beispiel meiner alten Kumpanin Jill Sobule und bat meine Fans um Geld. Tatsächlich zahlten 1000 sehr progressive und vertrauensvolle Menschen 45 Dollar für die Deluxe-Version eines Albums, das noch nicht einmal aufgenommen war. Ich hatte eine Wunschbesetzung für meine Band im Kopf. Ich schrieb ihnen, dass ich eine Platte machen wollte: old school auf Tape in einem Studio – und nur eine kleine, nicht verhandelbare Gage wohlgemerkt. Ich war gerührt, als alle einwilligten – ich hatte meine Band: Drums, Percussion – Fred Maher (Scritti Politti, Lou Reed, Matthew Sweet, meine ersten beiden Soloalben) Bass, Vocals – Rainy Orteca (Joan as Policewoman, Anthony and the Johnsons, Brilliantine) Guitars, Mandolin, Vocals – Mark Schwaber (The Small Ensemble, Spouse, Hospital) Guitars, Banjo – Matt Cullen (The Small Ensemble, The Sighs, Ware River Club) Keyboards – Blair Cowan (The Commotions, Paul Quinn, Alisdair Robertson) Pedal Steel – Bob Hoffnar (Hem, Crash Test Dummies, mein Bad Vibes Album) Piano, Violin, Guitar, Vocals – Joan Wasser (Joan as Police Woman, Anthony and the Johnsons, Dambuilders) Vocals – Kendall Meade (Mascott, Grammercy Arms) Production and Vocals – Dave Derby (Dambuilders, The Negatives, Grammercy Arms, Brilliantine) Mixing – Mick Glossop Dave Bates, mein Mann aus vergangenen Fontana-Zeiten, hat das neue Album als A&R betreut Ich spielte Akustikgitarre, Banjo und sang. An die Arbeit: Fred, Rainy, Mark, Dave und ich begannen in Williamsburg, New York, am 1. März. In der darauffolgenden Woche wurden die Basic-Tracks im Magic Shop in Manhattan mit Engineer Geoff Sanoff aufgenommen. Zusätzliche Aufnahmen machten wir in der Nähe meines Zuhauses im Slaughterhouse Studio in W. Massachusetts mit Engineer Mark Alan Miller. Die abschließende Session (bis auf den Gesangstake, der während des Mixes gemacht wurde) fand am 3. April statt. Circa einen Monat bevor die Proben begannen, hatte ich ungefähr 15 Songideen für das Album, von denen tatsächlich nur sieben oder acht fertig oder soweit vorangeschritten waren, dass man sich keine Sorgen zu machen brauchte. Wir grenzten das Material auf 12 aufzunehmende Stücke ein. Daraufhin setzte bei mir ein Songwritingschub ein, der mir, offen gesagt, meine Freude an den Aufnahmen verdarb. Der Druck war groß, denn ich wusste: Wenn ich die Deadline nicht einhalte, bin ich ruiniert, von Tapete und den 1000 Investoren ganz zu schweigen. Wir haben es schließlich geschafft. Der letzte Text wurde am 22. April verfasst und noch am selben Tag der letzte Gesangstake in Mick Glossop’s Magazine Studio in West London aufgenommen. So hatten wir grad noch zwei Tage Zeit fürs Abmischen des letzten Stückes und die Feinabstimmung. Erstaunlicherweise blieb uns sogar noch die Zeit für ein Bier (nur eines!) als Abschluss des letzten Tages. Ihr könnt mich gerne nach Einzelheiten über die Sessions befragen oder einfach mein Studio-Tagebuch lesen, wo alles Wissenswerte niedergeschrieben ist: http://www.lloydcole.com/weblog/index.php?cat=30. Für mich war es alles in allem eine zwar verwirrende und unfassbar stressige, aber gleichzeitig ganz fantastische und äußerst bereichernde Erfahrung. Mit einer Rock’n’Roll-Band im Studio zu singen, brachte mein Gefühl aus den Jahren 1987 oder auch 1995 zurück und ich wunderte mich bisweilen, als ich das Spiegelbild meiner gealterten Person in den gläsernen Studiotrennwänden erblickte. Ich bin froh, dass wir diese Songs fertiggestellt haben, denn ich weiß nicht, ob ich jemals wieder eine solche Platte machen werde. Allerdings werde ich auch nie wieder in den einsamen Raum mit dem Computer zurückkehren... Von den elf Liedern des Albums habe ich alle selbst geschrieben, eines hat eine Melodie von Blair. Es erscheint im September bei Tapete. Es wird sogar eine Vinylversion und eine 45er zur Platte geben. Was für eine Platte ist es geworden? Ich weiß es nicht. Ich werde zwei Freunde, die die Platte gut kennen, bitten, jeweils einen kurzen Absatz dazu zu schreiben. Im Juli und im September, zur Veröffentlichung der Platte, komme ich nach Europa, um persönlich mit Euch zu sprechen. In dem Zuge werde ich auch einige Solokonzerte spielen. Besucht dazu bitte die Seite http://www.lloydcole.com/weblog/?cat=11. Auch das “Small Ensemble“ wird im Oktober und November auf Tour gehen, möglicherweise auch darüberhinaus. Wie auch immer: ich wünsche mir, dass das Album ein Riesenerfolg wird, damit wir die nächsten Jahre auf Tour sein können. LLOYD COLE (FR) Le grand Lloyd Cole descend de son piédestal de star pour mieux s’élever au-dessus de la barre qu’il place toujours très haut. Après l’association avec les Commotions pour quelques albums légendaires, dont le génial « Rattlesnakes », il fait aujourd’hui preuve d’une maturité artistique exceptionnelle. Ses concerts acoustiques marquent le désir de trouver une pureté, une spontanéité et une fraîcheur nouvelles. C’est la révélation du songwriting le plus pur, d’un sommet artistique du rock dépouillé. LLOYD COLE (ENGL) Lloyd Cole June 2010, Massachusetts, USA Dave Derby: “It was an honour and a joy to work on a record with so many great musical minds and -- most importantly -- so many great songs. The camaraderie and unity of purpose we all had was inspiring. I remember years ago reading an interview with some producer who talked about the difference between working with American and English artists. He summed it up by saying that if you gave an American band an hour to work up a song and a British band an hour to work up a song the American band would spend about 5 minutes talking and 55 minutes jamming whereas the British band would spend about 40 minutes talking and 20 minutes playing. I'm not sure how that relates to this project to be honest: Lloyd is the only Brit in the band and between the combination a somewhat anglophilic yank and an Americanophilic limey our combined musical sensibility puts us somewhere near the Azores. I do know that we did a lot of talking, and a lot of listening. And a healthy amount of drinking of course...” Dirk Darmstaedter: “Broken Record is the freshest and most lively sounding record I‘ve heard from Lloyd in years! Though I totally love the gentle feel of the last few albums (“Music In a Foreign Language” being one of my all-time favourites), I had almost forgotten how cool Lloyd sounds with a great band behind him. Oh yeah... and truly excellent songs as well! Writers Retreat! Wow, where does this stuff come from?”