Centre Culture Régional
Dudelange opderschmelz

1a rue du centenaire
L-3475 Dudelange

11.10.2013

20h00
opderschmelz - Grand Auditoire


No enger Idee vum Josée Hansen an Romain Hilgert

mam Steve Karier

op lëtzebuergesch

Produktioun : Fundamental a.s.b.l.

Zeechnung: Filip Markiewicz

Zwee Männer an engem Bureau. Mir sinn un der Spëtzt vun der Muecht, do wou ee ganz alleng ass. Deen een ass Premierminister, deen aneren de Chef vu sengem Geheimdéngscht. Keen traut deem aneren, mee si ginn anescht domatter ëm: deen ee schwätzt ouni Paus, deen anere seet näischt. An hirem Gespréich geet et ëm Muecht an ëm Verrot, ëm Strategien, fir domatter ëmzegoen, an ëm Vertrauen. Mä mir héiere just deen een, deen, deen andauernd schwätzt, fir a Wierklechkeet eppes gewuer ze ginn. Hien hëlt alles heemlech op mat senger Auer.

M. ass e Stéck dokumentareschen Theater iwwer Muecht a Mësstrauen mat Textmaterial aus engem Originalgespréich.

Das Misstrauen herrscht. Und regiert.

Ein wundersames Kammerspiel gaben Premier Jean-Claude Juncker und sein Geheimdienstchef Marco Mille mit dem dreiviertelstündigen Gespräch über eine geheimnisvolle CD im Januar 2007: Mille hatte den Regierungschef in dessen Büro aufgesucht, um ihm vertraulich Bericht abzulegen und das Gespräch mit einer präparierten Armbanduhr heimlich aufzuzeichnen. Er missbrauchte das Vertrauen seines politischen Vorgesetzten, weil er ihm seinerseits nicht traute. Nach einer chaotischen Zusammenkunft zuvor wollte er sich diesmal absichern, einen materiellen Beweis schaffen, dass er und worüber er Jean-Claude Juncker informierte, falls sich dieser nicht erinnern wollte oder konnte.

Weil er das Gespräch heimlich aufnahm, war sich Mille ständig bewusst, dass er gar nicht oder nicht nur für Juncker sprach, sondern gleichzeitig auch Theater spielte für das Publikum in seiner Armbanduhr, für die Zuhörer, welche die Aufnahme zu hören bekämen. Deshalb sind seine Monologe streckenweise künstlich wie schlechtes Theater, wo jeder Schauspieler umständlich erklärt, wen er darstellt und was er tut.
Am Ende des Gesprächs, kurz bevor der Vorhang fällt, kann der Geheimdienstchef es sich nicht verkneifen, noch schnell zu überspielen: Er beteuert wiederholt seine Loyalität, stellt sich als mustergültigen Demokraten dar, der die „philosophischen Ansichten“ des als aufgeklärten Christlich-sozialen geltenden Premiers teilt und, anders als sein Vorgänger, selbst Grünen und Kommunisten ein politisches Existenzrecht einräumt.
Doch Jean-Claude Juncker misstraut seinerseits dem Geheimdienstchef. Er hört ihm zu und sagt so wenig wie möglich. Am liebsten murmelt er bloß unverfänglich „Jo, jo“. Hätte er gewusst, dass das Gespräch heimlich aufgenommen wurde, er hätte sich kaum vorsichtiger anlegen können.
Mille drängt ihn immer wieder zu erzählen, worüber er mit dem Großherzog geredet hatte, weil er einen Anhaltspunkt brauche, um den „roten Faden“ aufnehmen und das Rätsel der angeblich verschlüsselten CD lösen zu können.

Doch Juncker lässt sich nicht aus der Reserve locken, will die Arbeit seines Nachrichtendienstes nicht erleichtern. Er beteuert immer wieder, dass er nichts Wichtiges mit dem Großherzog geredet habe. Denn selbstverständlich misstraut der Regierungschef auch dem Staatschef. Er  „passt auf“, was er ihm sagt, um den offenbar etwas überforderten Großherzog „nicht nervös zu machen“. […]

Natürlich misstraut der Großherzog auch seinem Staatsminister. Schließlich war Juncker Ende 2005 nicht davor zurückgeschreckt, den Bruder des Großherzogs als möglichen Bommeleeër beim Staatsanwalt quasi anzuzeigen, und damit den entsprechenden Gerüchten eine regierungsamtliche Glaubwürdigkeit verliehen. […]
Somit erscheint die Spitze des CSV-Staats als mühsam zusammengehaltene Kulisse eines wundersamen Kammerspiels, hinter der das allgemeine Misstrauen herrscht und regiert. Einige Darsteller versuchen, irgendwie die parlamentarische Demokratie am Funktionieren zu halten, andere weniger.

Romain Hilgert, d’Lëtzebuerger Land, 30.11.2012


„Das dokumentarische Theater, soweit es nicht selbst die Form des Schauspiels auf offener Straße wählt, kann sich nich messen mit dem Wirklichkeitsgehalt einer authentischen politischen Manifestation. Es reicht nie an die dynamischen Meinungsäußerungen heran, die sich auf der Bühne der Öffentlichkeit abspielen. Es kann vom Theaterraum her die Autoritäten in Staat und Verwaltung nicht in der gleichen Weise herausfordern, wie es der Fall ist beim Marsch auf Regierungsgebäude und wirtschaftliche und militärische Zentren. Selbst wenn es versucht, sich von dem Rahmen zu befreien, der es als künstlerisches Medium festlegt, selbst wenn es sich lossagt von ästhetischen Kategorien, wenn es nichts Fertiges sein will, sondern nur Stellungnahme und Kampfhandlung, wenn es sich den Anschein gibt, im Augenblick zu entstehen und unvorbereitet zu handeln, so wird es doch zu einem Kunstprodukt, und es muß zum Kunstprodukt werden, wenn es Berechtigung haben will.“

Peter Weiss, Notizen zum dokumentarischen Theater, 1968

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Something is rotten...

Il y a deux jours, jeudi 13 juin, les députés luxembourgeois de la majorité CSV-LSAP, ont essayé (et réussi) une nouvelle fois d’étouffer le feu de la contestation qui couve depuis plusieurs mois au Luxembourg : avec une discipline de fer, ils ont rejeté les motions de censure des deux partis d’opposition, Les Verts et les libéraux, mettant en cause le ministre de la Justice dans sa gestion de l’enquête du Bommeleeër, respectivement le gouvernement en entier jugé responsable des graves dysfonctionnements du Service de renseignement de l’État.

« Chez nous, [le] climat d’incertitude générale se trouve [...] renforcé par une crise de confiance, causée par nous-mêmes, dans les institutions de notre État. Il faudrait être aveugle et sourd pour ne pas se rendre compte que beaucoup de gens n’ont plus vraiment confiance dans certaines institutions. Si la situation que nous traversons n’est pas une crise d’État, il n’en reste pas moins que l’État est confronté à des phénomènes de crise, » avait constaté le Premier ministre Jean-Claude Juncker lors de sa déclaration sur l’état de la Nation, le 10 avril. Et il doit savoir de quoi il parle, parce qu’il était lui-même cible des agissements illégaux d’un Service de renseignement (Srel) devenu incontrôlable à la fin des années 2000. Comme lors de cet enregistrement secret par le directeur de l’époque du Srel, Marco Mille, avec une montre-bracelet trafiquée, d’une conversation qu’il a eue avec son ministre de tutelle en 2007.

Au-delà des faits relatés, qui ressemblent à un scénario de série B, ce sont la situation en soi – un des plus proches collaborateurs du chef du gouvernement le trahit sciemment –, le cynisme mis à jour dans l’évocation de crimes et délits, mais aussi la langue employée, qui en disent long sur le fonctionnement de l’État de droit au Luxembourg d’aujourd’hui. Et qui justifient que le texte, dont le Lëtzebuerger Land avait publié de larges extraits en novembre 2012, soit sorti du contexte politico-judiciaire pour être dit et entendu.

Shakespeare y est omniprésent, avec sa conception de la trahison, de la faute et de la culpabilité. Le « something is rotten » de Hamlet est sur toutes les bouches.

jh